Die Schrankwand wird auch gern als Wohnwand bezeichnet, sie verrät viel mehr über den Stil der Bewohner, als man es zunächst vermuten würde. Zu alltäglich ist uns die Schrankwand geworden. Dabei hat sie sowohl Tradition als auch den Hang zur absoluten Oberklasse.
Die Endlosbauweise
Eine Schrankwand lässt sich theoretisch unendlich erweitern, die Grenzen werden allein durch den vorhandenen Platz gesetzt. Und manche Hersteller bieten das auch so an, passend zur heutigen industriellen Serienbauweise. Allerdings haben sich einige Schreiner auf Schrankwände spezialisiert, fertigen sie auf Maß an und verwenden höchst wertiges Material, das absolut perfekt zusammengebaut wird. Das sind die recht teuren Schrankwände, bei denen nicht gleich klar ist, was den hohen Preis ausmacht – das ist so gewollt. Davon abgesehen gibt es Schrankwände in allen denkbaren Materialien und Formen, aus Holz passen sie in jede Stube. Sie werden auch als Raumteiler-Schrankwände mit Sichtrückwand angeboten, obgleich das dem eigentlichen Zweck widerspricht. Denn eigentlich wurden sie entwickelt, um Räume so effizient wie möglich zu möblieren.
Gestern und heute
Ein Wiener Professor soll die erste Schrankwand entworfen haben, der Architekt Professor Franz Schuster im Jahr 1921. Abnehmer war die baden-württembergische Firma Erwin Behr. Diese Firma ließ sich auch in den 1950er Jahren das erste zerlegbare Schrankwandsystem entwerfen (BMZ für “Behr Möbel Zerlegbar”), das bis in die 1980er Jahre verkauft wurde. In den 1960er Jahren entstand die heutige Vielfalt von Schrankwänden. In der Design-Oberklasse bauen Spezialhersteller Schrankwände in schlichtem, wenn auch zeitgenössischem Design bei klarer Formsprache und allerhöchster Qualität, ein Ausdruck von absolutem Understatement.